Integration von Migrant/innen und Einstellungen zum Sozialstaat (IMES)

Fragestellung/Ziel: 

Vor dem Hintergrund der starken Zuwanderung nach Deutschland in den letzten Jahren wird die Rolle des Sozialstaats und seiner Legitimität kontrovers diskutiert. Zum einen unterstützt Sozialpolitik die Integration von Migrant/innen im Arbeitsmarkt und in der Gesellschaft und trägt damit zur Stabilisierung der sozialen Sicherungssysteme bei. Zum anderen kann Migration die Legitimität des Sozialstaats untergraben, wenn die einheimische Bevölkerung einer Umverteilung hin zu Migrant/innen ablehnend gegenübersteht und eine stärkere finanzielle Belastung durch die Kosten der Zuwanderung befürchtet.

Die Nachwuchsgruppe möchte daher folgende Fragen analysieren: (1) wie beeinflusst die bestehende Sozialpolitik und neue Zuwanderungsbewegungen die Integration früherer Migrantengruppen; (2) wie verändert wahrgenommene Integration von Migrant/innen Einstellungen zum Sozialstaat; (3) wie interagieren wahrgenommene und tatsächliche Integration in verschiedenen sozialpolitischen Handlungsfeldern. Dabei geht das Vorhaben über die bisherige Forschung hinaus, indem es zwischen unterschiedlichen Gruppen von Migrant/innen und Einheimischen differenziert und mehrere Dimensionen von Integration in den Blick nimmt. Methodisch sollen repräsentative Mikrodatensätze mit modernen quantitativen Methoden analysiert und experimentelle Befragungen durchgeführt werden. Auf Grundlage dieser Ergebnisse sollen wissenschaftlich fundierte und praxistaugliche Empfehlungen für eine nachhaltige deutsche Sozialpolitik erarbeitet werden, damit diese auch in Zukunft schutzbedürftige Bevölkerungsgruppen absichern und Chancen eröffnen kann, ohne dabei ihre eigene Akzeptanz aufs Spiel zu setzen.

Das interdisziplinäre Vorhaben an der Schnittstelle von Volkswirtschaftslehre, Soziologie und Politikwissenschaft möchte die gebündelten Kompetenzen am Standort Mannheim nutzen. Diese entstehen aus der engen Kooperation vor allem zwischen dem Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und dem Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung (MZES). Der wissenschaftlichen Nachwuchsgruppe gehören außerdem die wissenschaftlichen Mitarbeiter Martin Lange, Paul Berbée und Katia Gallegos Torres vom ZEW an. Die Nachwuchsgruppe wird von einem wissenschaftlichen Beirat von nationalen und internationalen Expert/innen begleitet und unterstützt.

Arbeitsstand: 

Der Schwerpunkt der Arbeit der FIS-BMAS-Nachwuchsgruppe liegt nach vier Förderjahren nun auf der Veröffentlichung der Projektergebnisse. Eine Studie, die zur Veröffentlichung bereits akzeptiert wurde, untersucht, ob Rentner*innen mit Migrationshintergrund eine geringere Rente zugesprochen bekommen als deutsche Rentner*innen. Unsere Ergebnisse eines faktoriellen Umfrageexperiments zeigen deutliche wohlfahrtschauvinistische Einstellungen in der deutschen Bevölkerung. Die Befragten gewährten in diesem Experiment Rentner*innen mit Migrationshintergrund niedrigere Renten als anderen Rentner*innen, selbst bei gleichem Einkommen, gleicher Anzahl Beitragsjahren und gleicher Kinderzahl. In zwei weiteren Studien verwendeten wir ähnliche Methoden und beobachten solche diskriminierenden Einstellungen auch bei der Wahrnehmung der Angemessenheit von Löhnen, Sozialhilfe, Arbeitslosenunterstützung und Sanktionen für Arbeitslose.

Fact sheet

Finanzierung: 
BMAS Fördernetzwerk FIS
Laufzeit: 
2019 bis 2025
Status: 
laufend
Datenart: 
Sekundärdatenanalysen und eigene Umfragen
Geographischer Raum: 
Deutschland

Veröffentlichungen